Die glykämische Reaktion und ihre Bedeutung für die Aufzucht von Jungpferden


Wenn es eine Relation zwischen der glykämischen Reaktion auf eine Futterration und Entwicklungsstörungen bei jungen Pferden gibt, wird sie nur dann verständlich, wenn klar ist, was der glykämische Index oder die glykämische Reaktion eigentlich messen. Das Wort "glykämisch" bezieht sich auf den Blutzucker und die Messung seiner Schwankung als Reaktion auf normale Kohlehydratverdauung und wurde in Anlehnung an die Atkins' Diät in der menschlichen Ernährung ein Thema. 

Der Anstieg und nachfolgende Abfall der Blutzuckerkonzentration ist völlig normaler Vorgang und nahezu irrelevant für gesunde Individuen, egal ob Mensch oder Pferd. Handelt es sich jedoch um genetisch vorbelastete Individuen, dann besteht neueren Untersuchungen zu Folge eine Korrelation zwischen Insulinresistenz (die normalerweise durch übermäßige Kalorienzufuhr ausgelöst) und dem Entstehen von DOD (Developmental Orthopaedic Disease - Entwicklungsstörungen im Bewegungsapparat) bei Pferden und Diabetes Typ 2 und/oder Metabolischem Syndrom beim Menschen.

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Der Glykämische Index (GI)
ist eine Bewertung von Futter- bzw. Nahrungsmitteln in Bezug auf die Erhöhung des Blutzuckerspiegels nachdem eine definierte Menge davon verzehrt wurde in Relation zu einer definierten Menge eines standardisierten Nahrungsmittels (beim z.B. Menschen reine Glukose oder Weißbrot)

2 Die Glykämische Reaktion (GR)
stellt die Blutzuckermenge dar, die während 8 Stunden nach der Nahrungsaufnahme im Blut gemessen wird. Sie misst also nicht nur die Erhöhung des Blutzuckerspiegels, sondern auch den Zeitraum, in dem er erhöht bleibt.
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Der Unterschied zwischen GR und GI:
Wie schnell und für wie lange das Pferd braucht, um Stärke und Zucker zu verdauen (GR) ist abhängig von der Größe der Mahlzeit, dem Kauverhalten des Pferdes, dem Herstellungsverfahren des Futters, davon, ob die stärkehaltigen mit Rohfaser-Anteilen vermischt wurden und ob Öl zugefügt wurde. Trotzdem hat das Futtermittel immer den selben GI, was diesen Wert in praktischen Fütterungssituationen bedeutungslos macht.


Dr. Derek Cuddelford (The Royal (Dick) School of Veterinary Studies) machte anlässlich des Thoroughbred Racing and Breeding Seminars in Cheltenham deutlich, dass Untersuchungen aus den USA zwei Eckpunkte für den Zusammenhang zwischen Fütterung und DOD ergeben haben:

  1. Das Körpergewicht junger Vollblüter hat eine engere Korrelation mit DOD als der glykämische Index oder die glykämische Reaktion des Futters.
  2. Gestüte in Kentucky, deren junge Pferde ein Körpergewicht von 15% über dem Landesdurchschnitt aufwiesen, hatten eine OCD (Osteochondrosis dissecans)-Häufigkeit von 32%.
  3. Gestüte mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 97% des Landesdurchschnitts bei jungen Pferden hatten 0% OCD. (Pagan et al. 2001)
  4. Es wird empfohlen, Futtermittel mit weniger als 26% Stärke und Zucker für die Aufzucht junger Vollblüter einzusetzen, um das Risiko von Veränderungen beim Wachstumshormon und insulinähnlicher Wachstumsfaktoren zu reduzieren und um den diätetischen Auslöser, der bei genetisch vorbelasteten Individuen DOD ausbrechen lässt, zu eliminieren.

 

Wenn Sie junge Pferde aufziehen, die genetisch für DOD prädisponiert sind, können Sie eine Korrelation zwischen Ernährung und DOD reduzieren, wenn sie auf einen Stärkegehalt von unter 26% achten und viele kleine Mahlzeiten füttern, um eine effektive Verdauung zu garantieren. Es ist ideal, jungen Pferden im Wachstum weniger als 2 g Stärke/kg KGW/Mahlzeit zu verabreichen. Wie das praktisch aussieht, entnehmen Sie bitte der folgenden Tabelle.

Wieviel Stärke passt in meine Futterschaufel?

Produkt                     

kg Futter /Schaufel Stärke u. Zucker /Schaufel g Stärke u. Zucker /kg KGW Max. Schaufeln /Mahlzeit
Sales Prep Mix 0,8 208 0,53/390 kg Pferd 3
Rearing Diet 0,9 270 0,69/350 kg Pferd 2,5
Yearling Cubes 1,2 276 0,70/390 kg Pferd 2,5

Ferner ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass GI/GR die Stärkeverdauung im Futtermittel messen. Falls ein Futtermittel auf Stärkebasis einen niedrigen GI/GR hat, bedeutet dies, dass die enthaltene Stärke im Dünndarm unzureichend verdaut wird. Das hat zur Folge, dass un- oder anverdaute Stärke im Dickdarm ankommt, mit möglicherweise katastrophalen Folgen.

Um das Risiko von DOD zu minimieren, müssen Ernährungsgesichtspunkte unbedingt berücksichtigt werden. Das Argument jedoch, Futtermittel mit einer hohen GR prädisponieren junge Pferde für DOD, macht es sich deutlich zu leicht.

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